Spielraum zum Gestalten fällt nun kleiner aus
(Stolberger Zeitung / Fr, 6. Aug. 2010 / / Seite 15)
Stühlerücken im Landtag und eine neue Rolle in der Opposition. Axel Wirtz appelliert, angelaufene Projekte im hiesigen Wahlkreis weiter zu fördern.
Stolberg. Sein altes Büro nahe den Ministern hat er räumen müssen, weil mit dem Einzug der Linken in den Landtag das Stühlerücken etwas umfangreicher ausfiel als bislang in Düsseldorf gewohnt. Auch von Reimund Billmann als Abgeordneten aus dem Nordkreis, mit dem er bislang die parlamentarische Infrastruktur teilte, hat sich Axel Wirtz verabschiedet. Der Stolberger sitzt jetzt nicht nur auf einem anderen Flur des Landtagsgebäudes, sondern auch in der Opposition. Aber nichts desto trotz tief verankert in der Region und mit dem festen Vorsatz, auch ohne den Möglichkeiten einer Regierungsbeteiligung seiner Partei möglichst viel für Stolberg, Eschweiler und die Nordeifel zu erreichen.Regionale Einbindung wichtig
„Sicherlich wird der Gestaltungsspielraum schwieriger für mich sein“, gesteht der Gressenicher CDU-Mann ein, der nun das Abgeordnetenbüro mit Klaus Voussem aus Euskirchen und den Landtagsflur mit den CDU-Kollegen aus der ganzen Aachener Region teilt.
Für Axel Wirtz ist diese regionale Einbindung wichtig, auch weil seine Fraktion erwartet, dass die neue Regierung wieder stärkere Akzente auf die Rhein-Ruhr-Schiene legen wird – „zu Lasten des ländliches Raumes und insbesondere unserer Region“.
Da gibt der CDU-Politiker zu, insbesondere in einem SPD-Kollegen einen starken Anwalt für die Interessen des Bezirkes zu sehen: „Harry Voigtsberger hat auch schon in Köln bewiesen, dass er seine Heimat nicht vergisst“, lobt Wirtz unumwunden den heutigen Städtebauminister, der zuvor als Direktor des Landschaftsverbandes amtierte und 1999 für die SPD antrat, Stolberger Bürgermeister zu werden. „Wir haben es insbesondere auch Harry Voigtsberger zu verdanken, dass der Landschaftsverband 20 Millionen Euro in den Neubau der Gutenbergschule in Stolberg investiert“, sagt Wirtz und schiebt gleich noch ein paar Wünsche hinterher: „Beim Ausbau der L 238 n zwischen Stolberg und Eschweiler darf es keinen Bruch geben“, setzt der Abgeordnete auf Kontinuität wie auf Erhofftes: Denn „eine Sanierung des Rüstbach-Viaduktes ermöglicht durch eine Anbindung Breinigs an die Euregiobahn eine deutliche Verbesserung für den Öffentlichen Personenverkehr in der Aachener Region.“
Regionale Einbindung
Regional eingebunden sieht der Stolberger auch seine parlamentarische Arbeit. In Düsseldorf bleibt er Vorsitzender des Sportausschusses des Landtages; in Stolberg ist er als Vorsitzender der SG engagiert. Für Axel Wirtz ein Verbindungsglied zwischen der eher abstrakten Arbeit mit Verbänden, Institutionen und Fördergeldern sowie den konkreten Erfordernissen vor Ort. Gewechselt hat der CDU-Parlamentarier an der Düssel jetzt vom Innen- in den Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales; an der Vicht sitzt er dem entsprechenden Ratsausschuss vor. Ein weiteres Indiz für seinen Wunsch zur Verzahnung seiner Arbeit. „Das hat alles Bezug“, sagt Wirtz und verweist auf Themen wie Sportförderung, die Krankenhäuser in Eschweiler, Simmerath und Stolberg oder Integrationsarbeit und soziale Projekte.
Für Wirtz trifft Sportpolitik auch immer wieder auf Städtebau. Beispielsweise bei der heimischen SG Stolberg, die in nächster Zeit den Gressenicher Aschenplatz mit einem Kunstrasenbelag krönen will. Oder in Breinig, wo er warnt, dass zur „städtebaulich idealen Lösung“ mit der Schaffung eines Sportparks am Rande der Schützheide auch eine „schlechtere Alternative“ bestehe, die weder im Sinne der Stadt noch der Anlieger sein könne: „Es besteht auch die Möglichkeit, den bestehenden Aschenplatz in eine Kunstrasenanlage umzuwandeln.“ Wirtz würde dagegen „mehr Unterstützung der Verwaltung“ für die Sportpark-Lösung bevorzugen.
Mehr Engagement der Stadt fordert der Landtagsabgeordnete auch zur Lösung der Verkehrsprobleme im Südosten ein. „Es wird Zeit, dass Stolberg und Eschweiler sich einig werden, wie eine Entlastung geschaffen werden kann.“ Dabei verweist Wirtz auf „eine sehr hohe Priorität“ einer Ortsumgehung Hastenraths, während Stolberg mit seiner Osttangente nicht aus den Füßen komme.
Aktuelle Vorstellungen des Betreibers BSR könnten bei einer Erweiterung des Steinbruchs Vygen auch einen Erhalt der L 12 nebst neuem Radweg zwischen Mausbach und Gressenich ermöglichen, wobei dort eine zweite Zufahrt eine weitere Entlastung vom Schwerlastverkehr für Gressenich bedeuten könnte.
„Visionäres Arbeiten fehlt“
Planung und Liegenschaften müssten visionär arbeiten, um intelligente Antworten zu Problemlösungen anbieten zu können. Erst recht in finanziell schwierigen Zeiten. Doch weder in der Führungsspitze des Rathauses noch in der Stolberger Politik entdeckt Wirtz Bewegung. „Es wird nur noch verwaltet, nichts bewegt sich und alle warten ab“, sagt der Landtagsabgeordnete, der selbst auch in Wartestellung ist: „Ich bin gespannt, wie die neue Landesregierung ihre Versprechen zu finanziellen und strukturellen Hilfe für die Kommunen in die Praxis umsetzen wird“, sagt Wirtz. Denn auf grundlegende wie vorhabenorientierte Unterstützung aus Düsseldorf werden Stolberg, Eschweiler und die Nordeifel weiter angewiesen sein. Etwa aus dem Ministerium von Harry Voigtsberger, damit die hier angelaufenen Projekte fortgesetzt werden können.
Von Jürgen Lange
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